Ein siebenjähriges Kind öffnet zum ersten Mal eine Bildungswebsite. Es sucht nach einer Malvorlage, stößt auf den Bereich „Musikalische Früherziehung“, klickt wahllos darauf, landet auf einer Leseseite und schließt schließlich den Tab. Das Problem liegt nicht am Inhalt, sondern an der Navigation: Die Orientierungshilfen passen nicht zu seiner Denkweise.
Menüs und Symbole auf einer Kinderwebsite: Was die Navigation erschwert
Auf den meisten Websites für Kinder folgt das Hauptmenü einer Erwachsenenlogik: Abstrakte Bezeichnungen („Pädagogische Materialien“, „Entdeckerbereich“, „Multimedia“) sind in einer horizontalen Leiste zusammengefasst. Ein Kind, das erst seit Kurzem lesen kann, versteht diese Kategorien nicht.
Das erste Hindernis ist die Wortwahl. Wörter wie „Rubrik“ oder „Kategorie“ gehören nicht zum alltäglichen Wortschatz von Kindern zwischen sechs und neun Jahren. Konkrete Bezeichnungen wie „Spiele“, „Videos“ oder „Geschichten“ funktionieren besser, weil sie direkt benennen, was das Kind tun möchte.
Das zweite Hindernis ist die Verschachtelung des Menüs. Muss man dreimal klicken, bevor man einen Inhalt erreicht, verliert ein junger Nutzer schnell den Überblick. Die am besten gestalteten Websites beschränken die Navigation auf zwei Ebenen: einen Hauptbereich und anschließend einen Unterbereich, der durch ein Symbol oder eine Farbe gekennzeichnet ist.
Um alle verfügbaren Seiten auf einen Blick zu sehen, ohne sich Bereich für Bereich durchzuklicken, bietet die Sitemap von Kidits einen Überblick, mit dem Eltern und Kinder die gesuchte Ressource direkt finden können.

Altersgerechte Orientierungshilfen: Farben, Piktogramme und Rückwege
Kinder orientieren sich stärker am visuellen Gedächtnis als am Lesen. Eine feste Farbe für jeden Hauptbereich – Grün für Spiele, Blau für Videos, Orange für Bildung – schafft eine verlässliche Orientierung von Seite zu Seite.
Piktogramme erfüllen dieselbe Funktion wie Verkehrsschilder. Ein Bleistift fürs Zeichnen, ein aufgeschlagenes Buch fürs Lesen, eine Musiknote für Kinderlieder: Das Symbol ersetzt das Wort, wenn das Kind noch nicht flüssig lesen kann.
Der stets sichtbare Button „Zur Startseite“
Oft wird unterschätzt, wie stressig es für ein Kind ist, nicht mehr zu wissen, wie es zurückkommt. Ein fest platzierter Button „Startseite“, der immer an derselben Stelle zu finden ist (zum Beispiel oben links) und ein Haussymbol zeigt, bietet einen verlässlichen Rückweg.
Der Button sollte auch am unteren Seitenrand sichtbar bleiben. Auf Mobilgeräten, über die Kinder Websites immer häufiger nutzen, erleichtert ein fest am unteren Bildschirmrand angezeigtes Menü mit drei oder vier großen Symbolen die Touch-Navigation. Kleine Finger verfehlen leicht zu schmale Schaltflächen.
Navigation nach Alter oder Aktivität: Welche Gliederung eignet sich für eine Bildungswebsite?
Fünfjährige und Elfjährige haben nicht dieselben Bedürfnisse. Bietet eine Website nur einen einzigen Einstiegspunkt, landen zu einfache und zu anspruchsvolle Inhalte auf derselben Seite – und schrecken beide Gruppen ab.
Eine Gliederung nach Altersgruppen (3–5 Jahre, 6–8 Jahre, 9–12 Jahre) erleichtert die Orientierung schon auf der Startseite. Das Kind (oder die Eltern) wählt eine Altersgruppe aus, und die angezeigten Bereiche entsprechen dem Leseniveau und den Interessen des Kindes.
Wann eine Gliederung nach Aktivitäten besser funktioniert
Bei einer Website, die sich auf eine bestimmte Art von Inhalten konzentriert (Online-Spiele, Lernvideos), ist eine Sortierung nach Aktivitäten intuitiver. Das Kind weiß, was es tun möchte, bevor es weiß, welches Niveau zu ihm passt. Auf gut strukturierten Websites finden sich besonders häufig folgende Einstiege:
- Spiele und Quizze: interaktive Aktivitäten, die nach Themen (Tiere, Naturwissenschaften, Geografie) statt nach Schwierigkeitsgrad sortiert sind. So muss das Kind seine Fähigkeiten nicht einschätzen, bevor es überhaupt loslegt.
- Videos und Zeichentrickfilme: übersichtlich mit großen Vorschaubildern angeordnet. Jedes Vorschaubild zeigt einen Ausschnitt des Inhalts und dessen Dauer, damit das Kind weiß, was es erwartet.
- Bastelaktivitäten und Malvorlagen: herunterladbare oder ausdruckbare Dateien, die ohne Anmeldung zugänglich sind und vor dem Anklicken eine Vorschau bieten.
- Geschichten und Lesestoff: nach geschätzter Lesedauer (kurz, mittel, lang) statt nach Schulstufe sortiert – eine Orientierung, die für Kinder verständlicher ist.

Der Unterstützungsbedarf unterscheidet sich stark zwischen kleinen Kindern und Jugendlichen. Eine einheitliche „Kindernavigation“ funktioniert nicht: Die Orientierungshilfen an die jeweilige Altersgruppe anzupassen, ist der einzig realistische Ansatz.
Suchleiste auf einer Kinderwebsite: Funktionsweise und Grenzen
Die Suchleiste scheint eine universelle Lösung zu sein, bringt für junge Nutzer aber ein besonderes Problem mit sich: Ein Kind, das „Dinosaurier Malvorlage“ eingibt, erwartet sofort ein Ergebnis und keine Liste mit zehn Links.
Die für diese Zielgruppe effektivsten Websites zeigen Suchergebnisse als visuelle Kacheln (Bild, kurzer Titel, Aktionsbutton) statt als Textliste. Jede Kachel zeigt direkt, wie der Inhalt aussieht.
Toleranz gegenüber Tippfehlern
Ein siebenjähriges Kind schreibt vielleicht „Dinosauerier“ oder „Malforlage“. Erkennt die Suchleiste solche Abweichungen nicht, liefert sie keine Ergebnisse – und das Kind glaubt, der Inhalt existiere nicht. Autovervollständigung und Rechtschreibkorrektur in der internen Suchfunktion verbessern das Nutzererlebnis erheblich.
Unter der Suchleiste lassen sich außerdem visuelle Vorschläge anzeigen: beliebte Suchbegriffe in Form anklickbarer Blasen („Tiere“, „Weltraum“, „Musik“), die die Eingabe über die Tastatur überflüssig machen.
Elterninformationen und Meldefunktion: Zwei Bereiche, die leicht zu finden sein sollten
Ein klar gekennzeichneter Elternbereich (Kindersicherung, Erläuterungen zu den angebotenen Inhalten, Datenschutzerklärung) gibt Familien Sicherheit. Er sollte die Navigation des Kindes nicht überladen: Am besten ist er in einem sekundären Menü untergebracht, das über einen unauffälligen, aber dauerhaft verfügbaren Link erreichbar ist – häufig in der Fußzeile.
Die Meldefunktion (unangemessene Inhalte, Fehler, technische Probleme) sollte erreichbar sein, ohne die aktuelle Seite verlassen zu müssen. Ein gut sichtbares Ausrufezeichen auf jeder Seite ermöglicht es Kindern und Eltern, sofort auf ein Problem hinzuweisen.
- Elternbereich: über die Fußzeile oder ein einfaches Passwort erreichbar, getrennt von der Navigation für Kinder
- Meldebutton: auf jeder Inhaltsseite vorhanden, nicht nur auf der Startseite
- Hilfeseite oder FAQ: mit kurzen Sätzen und Screenshots, die Kindern helfen, wenn sie sich nicht zurechtfinden
Eine gut navigierbare Website für Kinder besteht nicht nur aus einem hübschen Design. Entscheidend ist, dass der Weg durch die Website leicht verständlich ist: mit Wörtern, die das Kind versteht, Farben, die konsistent bleiben, einem Rückweg-Button, der immer an derselben Stelle sitzt, und einer Suche, die Rechtschreibfehler verzeiht. Am zuverlässigsten lässt sich das testen, indem man ein Kind vor den Bildschirm setzt und beobachtet, worauf es zuerst klickt.



